• A Schein Erfahrungsbericht Mojo5 - In zwei Wochen zur A-Lizenz - Aus Sicht eines Schülers

In zwei Wochen zur A-Lizenz – Aus Sicht eines Schülers

Mein kleiner Erfahrungsbericht….

 

Mein Name ist Jens und ich bin ein 40-jähriger Familienvater mit zwei Töchtern und einen Hund. In diesem kleinen Bericht möchte ich zum einen meine Erfahrungen bei der Paragliding-Academy und mein Weg zur Gleitschirmfliegerei erzählen. Vorweg, bis ich mich an eine Leine gehängt habe und von Yvonne und Hristo hochgezogen wurde, habe ich noch nie was mit einem Schirm über mir gemacht, kein Tandem und nix.

Wie kommt man also al 40-jähriger darauf einen Kurs zu machen und sich unter ein 30 m² Tuch zu hängen? Eigentlich einfach, zum einen habe ich jetzt das nötige Kleingeld, zum anderen hat mich der Blick von oben immer fasziniert. Natürlich gibt es einige Sportarten die man so machen kann und wenn ich ehrlich bin, wäre ich lieber Hubschrauber geflogen, aber das wäre wohl als Hobby etwas zu viel des guten. Drachen, Gleitschirm mit Motor oder Fallschirmspringen haben mich auch nicht so vom Hocker gehauen, nur das Gleitschirmfliegen (ohne Motor) hat mich gleich interessiert. Die Möglichkeit, seinen Schirm überall mit hinnehmen zu können und dabei in den Morgenstunden oder am Abend schön durch die Luft zu gleiten ohne Krach, für mich alleine – toll.

Anfang dieses Jahres (2018) bin ich also bei mir in der Nähe in eine Flugschule und habe dort meine theoretische Ausbildung begonnen, leider war mir das mit dem praktischen Teil dort ein zu großes Durcheinander, was sich aber noch als Glücksfall herausstellen sollte. Da ich also noch den praktischen Teil haben wollte, habe ich mich auf die Suche nach einem sogenannten Komplettangebot gemacht. Gefunden hatte ich drei, aber nur eine war mir sympathisch, die Paragliding-Academy, keine Panik, wird kein Werbetext hier. Ich habe folgendes Gründe gehabt mich für diese Schule zu entscheiden:

  1. Die Schule liegt in Oberstaufen, da gibt es schöne Berge und da ich hier bei mir nur Winden habe, hätte meine Ausbildung zum größten Teil an diese stattgefunden. Leider hat das Wetter uns etwas geärgert und von der Höhenschulung waren wir 2,5 Tage an der Winde, Natur eben.
  2. Echte Vollzeit Fluglehrer. Ja, das war mir wichtig, in kleinen Flugschulen ist es manchmal so, dass da viel mit Teilzeit Lehrer oder Assistenten gearbeitet wird. Mit Yvonne und Hristo habe ich in den 2 Wochen zwei echt tolle Lehrer gehabt. Anmerkung, Hristo tut immer nur so streng, ist ein sehr netter Grieche.
  3. Ich konnte alles in zwei Wochen machen. Tipp, es ist anstrengend, aber auch schön, wenn man alles in einem Rutsch machen kann. Man lernt jeden Tag etwas dazu und so kann man sich optimal auf die Prüfung vorbereiten.

Nebenbei, aber nicht ein eigentlicher Grund, mir hat der Schirm gut gefallen, bzw. dass man gegen einen geringen Aufpreis die Auswahl hatte, was man haben möchte.

Aber kommen wir mal zum spannenden Teil die Ausbildung. Die wird in 3 Teile aufgegliedert, Grundkurs, Höhenschulung und Alpin. In der Grundschulung wird man in der Regel immer den Hügel raufgescheucht um wie ein Doofmann diesen mit dem Schirm runter zu eiern. Echt anstrengend und nach dem dritten Mal hatte ich schon keine Lust mehr, bis ich dann tatsächlich abgehoben bin, nur ein wenig aber immerhin. Man ist super nervös und bekommt nicht viel davon mit, wenn ich ehrlich bin, der dritte „Hopser“ war der erste, wo ich gedacht hab: Alles richtig gemacht, Geil. Im Prinzip lernt man also den guten Umgang mit dem Schirm und den nervigen Spruch von Yvonne: Arme locker – sollte man sich zu Herzen nehmen, erspart einen viele blaue Flecken (nicht durch Yvonne, sondern durch die Gurte).

Hat man die ersten 4 Tage überstanden, kommt die Höhenschulung dran. Hier ist der Name Programm, man kommt das erste Mal in die Luft, so richtig eben. Da das Wetter nicht so wollte, sind wir gleich an der Winde gestartet, was für mich als Nordlicht wohl meine Hauptstartart wird. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, eine kurze Erklärung. Man hängt sich an ein Seil und dieses ist an einer Winde befestigt, da gibt es unterschiedliche, wir hatten eine mobile Winde, aber das Prinzip ist gleich. Es wird gezogen und man kommt auf >100 Meter in die Luft, ja nach Wind also Umgebungsbedingungen. Es ist ein irres Gefühl, wenn man da so hochgezogen wird und am Ende muss man seine Bremsleine loslassen um sich auszuklinken. Ich kann nur sagen, ein blöder Moment, wenn man die letzte Verbindung zum Boden trennt. Aber, wenn du dann nach rechts abdrehst, die die Landschaft anschaust und das erste Mal so hoch oben gleitest ist es unvergesslich und damit hatte ich der ganze Kurs für mich schon ausgezahlt. In diesem Kurzabschnitt sind wir auch am Breitenberg gewesen, der ist dann schon etwas mit mehr Höhe, man fliegt ca. 700 Meter in die Tiefe. Das komische ist, den Unterschied zwischen der Höhe von der Winde oder dem Breitenberg fand ich nicht so wild, nur dass man noch weiter schauen konnte war toll. Ich fand die Manöver spannend, die wir dann beim zweiten Flug machen sollten, schon viel interessanter. Der Hristo meinte so: So, nun mal die Bremsleinen nach oben und loslassen, anschließend die Arme schön ausstrecken. – Ehrlich, ich habe gedacht, der hat sie doch nicht mehr alle. Aber nachdem man das gemacht hat, und mit dem Körpergewicht die Kurven gelogen ist, war es ein schönes, ehr lustiges Gefühlt.

Nach den 4 Tagen des Höhenkurses, waren leider alles aus meiner Gruppe weg, nein nicht abgestürzt, aber ich war der einzige der 14 Tage Zeit hatte um den Kurs durchzumachen. Allerdings habe ich in der Alpinschulung viele nette neue Leute kennengelernt. Hier waren wir dann 4 Schüler und 4 Thermik-Techniker, letztere sind Leute, die schon länger eine Lizenz zum fliegen haben und gerne ihre Technik verbessern möchte bzw. etwas über das thermische Fliegen lernen wollen.

Den letzten Teil haben wir fast komplett in Rodeneck in Italien gemacht, eine schöne ruhige Ecke, wo deutsch gesprochen wird. Mir wurde erklärt, die Leute dort sind keine Italiener, sondern Allgäuer.

Hier auch noch mal ein Lob an Hristo und den Weltenbummler Chris, der als Freiberufler für verschiedene Flugschulen arbeitet. Ich bin ja her der Meinung, er will einfach nur frei sein und mal hier und mal dort fliegen können, finde ich total cool. Bei der Paragliding-Academy wird nicht nur geflogen, wenn es für die Schüler hübsch ist, sondern man wird auch mal in die Thermik geschickt. Lieber das erste Mal mit Anleitung und Tipps, als mit der neuen Lizenz und hoffen, dass alles gut geht. Aber ich will ganz deutlich klarstellen, dass immer geschaut wurde, dass wir bei guten Wetter und unserem Können entsprechend in die Luft geschickt wurden.

Leider hat es dann am Freitag, der Tag vor der Prüfung nur geregnet und wir haben uns entschlossen, wieder nach Deutschland zu fahren um noch ein paar Flüge und die Prüfung machen zu können. Hier war auch wieder mein DHV Prüfer, der Manfred, ein super sympathischer Kerl, so einen hätte ich mir damals in der Prüfung in meiner Ausbildung gewünscht.

Also waren wir in Deutschland und der Berg hat den Namen Mittag (ein selten dämlicher Name, wer denkt sich die nur aus). Nichts desto trotz sind wir dann mit der Seilbahn hoch zum Mittag und sind dann ein paar Mal hinuntergeflogen, eine recht kurze aber ehr steilere Startbahn, wie die anderen, aber hat mir besser gefallen.

Dann kam der Prüfungsflug, das starten und die Manöver sind easy, ich muss zwar noch üben, aber man lernt eh nie aus. Die Landung ist immer mein größter Feind, ich habe mir nie weh getan oder so, aber der Wind meint mich immer ärgern zu müssen und mein Einschätzen von Entfernungen wird auch nur langsam besser, aber es wird besser. Nun ja, als ich mit einer Lola-Welle von angetrunkenen Zuschauern gestartet bin, ging es dann Richtung Landeplatz. Als Manöver hatte ich Ohren anlegen (damit kann man ganz gut Höhe abbauen) und eine Leitlinien Acht, mach einen Strich auf dem Papier und male auf jede Seite einen Kreis, der den Strich berührt. Das muss man unter 30 Sekunden schaffen. Dann die Landung, ja ich war etwas schüchtern und bin hinter einem Hügel gelandet. Da dachte ich mir schon: Toll, gut und sicher gelandet und der Prüfer hat es nicht gesehen, blöde Landschaft. Da hatte ich schon mit dem Spruch gerechnet: Und Tschüss du Pflaume. – Aber der nette Prüfer hat mich noch einmal auf den Mittag geschickt und beim zweiten Mal bin ich dann schön vor ihm gelandet. – Bestanden und unendlich glücklich.

Nun bin ich also in ca. 2-4 Wochen glücklicher Inhaber einer A-Lizenz und darf von einem Startplatz zum dem dazugehörigen Landeplatz fliegen. Damit könnte man meinen, man ist fertig, ist man aber nie und das sollten sich alle, Piloten immer merken. Daher werde ich wohl im nächsten Jahr auch eine Flugreise mitmachen und ein Sicherheitstraining möchte ich auch machen. In der Zwischenzeit mache ich meine Windenstart-Berechtigung, mache Aufziehübungen auf der Wiese und suche mich einfache Berge. Der erste wird ein Berg in der Schweiz Mitte August, da freue ich mich schon drauf.

An dieser Stelle noch mal einen herzlichen Dank an die Paragliding-Academy, natürlich besonders an Yvonne, die mich gut beraten hat und (zumindest bei mir) immer eine ruhige Stimme hatte. Hristo, dem freundlichen Griechen, irgendwann komme ich mal mit nach Griechenland und dann kann ich mal richtiges griechisches Essen genießen. Und an Chris, den Weltenbummler, der eine ruhige, gemütliche Art ausstrahlt und dieses auch schön auf seine Schüler überträgt.

 

Bis dann…..

Jens Kröger

Flugschule vom 23.6 – 07.07.2018

By |2018-07-12T12:17:34+00:00Juli 10th, 2018|Aktuelle News, Tipps und Tricks|0 Comments

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