Es ist wieder soweit. Die Gleitschirmszene wird unruhig und die Streckencracks scharren mit den Hufen. Wir als Flugschule merken das extrem. Es werden Gurtzeuge, Retter und Schirme bestellt, Checks gemacht und Flugreisen und Fortbildungen gebucht. Die Piloten erwachen aus dem Winterschlaf. Warum viele Piloten im Herbst ihren Gleitschirm einmotten und erst im Frühjahr wieder auspacken ist mir dabei nach wie vor ein Rätsel. Nur weil die Thermik schwächer ist besteht noch lang kein Grund, nicht auch im Winter zu fliegen. Aber das versuchen wir schon seit vielen vielen Jahren, in die Köpfe der Piloten zu bekommen.

Im Frühjahr dann, nach ca. 5-6 Monaten Flugpause, gehen viele Piloten um die Mittagszeit an mehr oder weniger anspruchsvolle Flugberge und wundern sich, dass sie abstürzen. Leider ist es auch am letzten Wochenende bei sehr anspruchsvoller Thermik und starkem Talwind zu einem tödlichen Unfall in Andelsbuch/ Bezau gekommen.

Liebe Pilotinnen und Piloten, fliegt doch einfach mal ganz in der Früh oder später am Nachmittag und fliegt Euch erstmal wieder warm, bevor Ihr Euch in die Hammer Thermik stürzt. Frisch aus dem A-Schein, mit wenig Flugerfahrung oder mit längerer Flugpause habt Ihr im Frühjahr um die Mittagszeit NICHTS am Himmel verloren. Im Frühjahr haben wir die stärkste Thermik und die größten Temperaturkontraste mit ruppiger Thermik und starken Talwinden. Nur weil ein paar Piloten am Himmel hängen heißt das nicht, dass es für jeden Piloten zum Fliegen geht. Auch sieht man nicht, wie turbulent es wirklich in der Luft ist, wenn man den Piloten am Himmel vom Landeplatz aus zusieht.

Natürlich fliegen die Streckencracks die größten Strecken im Frühjahr, aber bei welchen Bedingungen? Oft landen gute Piloten und sagen: „Scheiße war das bockig“ und Karl-Uwe aus Castor Brauxl (Anm. hiermit entschuldige ich mich bei allen Piloten, die Karl- Uwe heißen und/oder aus Castor Brauxl kommen. Es ist nicht persönlich gemeint 😉) fliegt noch munter seine Ovale. Klapper rechts, Klapper links, egal, hauptsache in die Stratosphäre „gespült“. Minimales Pilotenkönnen bei maximalem Risiko! Gut, dass die Schirme so sicher geworden sind, aber auch das hilft leider nicht immer.

Es verlangt für solche Bedingungen entweder ein großes Maß an „dicken Eiern“ oder ein großes Maß an Pilotenkönnen und den richtigen Umgang mit Extremflugsituationen… oder am besten beides 😉

BITTE BITTE LIEBE HOBBYPILOTEN sucht Euch die richtigen Bedingungen zum Gleitschirmfliegen heraus und fordert Euch nicht zu sehr im Frühjahr. Ich weiß, das ist oftmals schwer einzuschätzen aber nicht unmöglich. Keine Panik, der Sommer und Herbst mit ruhigeren Bedingungen kommt bestimmt. Einfach mal wieder einen entspannten Abgleiter machen, das hat auch mal was. Am besten mit einem frühmorgendlichen Hike & Fly verbunden, genial. Das ist manchmal schöner, als mit 100 wild gewordenen Thermikgeiern 6 Stunden lang eine Kante ab zu schrubben. Ich appelliere hiermit öffentlich für : TIEFER, NÄHER, LANGSAMER anstatt HÖHER, WEITER UND SCHNELLER 😉

Viel Spaß beim (halbwegs) sicheren Gleitschirmfliegen 😉

Chris

P.S. Aus aktuellem Anlass hier nochmal der Link zum Artikel „Tendenziell fliegbar“